Analytical Reviews

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Der Dollar hat noch etwas Spielraum für Manöver
15:25 2026-09-04 UTC--4

In eine Kaffeetasse zu starren ist ein aussichtsloser Zeitvertreib – doch genau das macht der Forex?Markt vor der Fed?Sitzung. Eine Zinserhöhung im September gleicht einem Münzwurf – niemand wagt, den Ausgang vorherzusagen.

Formal hat der Dollar einige Trümpfe in der Hand: Die Inflation liegt weiterhin über dem Zielwert. MUFG argumentiert jedoch, dass selbst eine Zinserhöhung kaum ausschlaggebend wäre. Die EZB, die Bank of England und die RBA treten restriktiver auf als erwartet, und die Zinsdifferenzen dürften sich kaum deutlich zugunsten des Greenback verschieben. Entscheidend ist nicht die Tatsache einer Zinserhöhung, sondern das Signal – ob sie den Beginn eines Zyklus markiert oder nur eine einmalige Anpassung darstellt. Das Basisszenario von MUFG ist Letzteres, was kurzfristig Aufwärtspotenzial für den Dollar gegenüber dem Euro schafft, ohne die übergeordnete, eher negative Einschätzung grundlegend zu ändern.

Renditen von US?Staatsanleihen und die Dynamik des Dollar

Die Handlungsspielräume der Fed werden nicht nur durch Daten begrenzt. Zwei Monate vor den Kongresswahlen ist eine deutliche fiskalische Straffung vom Tisch. Die Geldpolitik bleibt das einzige Instrument. Das Risiko ist asymmetrisch: Wenn die Fed trotz robuster Daten auf eine Reaktion verzichtet, werden Investoren Risikoaufschläge verlangen und das Vertrauen verlieren, was die Renditen nach oben treibt und die Kurve steiler werden lässt – wie bereits nach Juli geschehen. Eine Straffung hätte einen Großteil davon verhindert.

Der starke Rückgang des Dollar in der ersten Hälfte des Jahres 2025 war eine Geschichte darüber, dass sich die Erzählung gegen die US-Exzeptionalität gewendet hat. Handelspolitik verdrängte prozyklische Maßnahmen, die politische Unsicherheit nahm zu, und das Wachstum verlagerte sich nach Europa – materiell unterstützt durch ein deutsches Fiskalpaket. Der Dollar stabilisierte sich, als der Lärm abebbte. Doch strukturelle Schwächen – fiskalischer Ausblick, Laufzeitprämie und Vertrauensprobleme – halten das bärische Szenario für den Greenback am Leben. Kurzfristig ist das Bild weniger einseitig: Die Eurozone zeigt sich widerstandsfähig, und die Inflation hat dort unerwartet angezogen.

EZB-Zinsperspektiven

Die EZB selbst steht vor einer heiklen Feinabstimmung. Bloomberg-Ökonomen rechnen mit einer Anhebung auf 2,5 %, gefolgt von einer Pause bis 2027 – ein eher dovishes Szenario im Vergleich zu Tradern, die bis Mitte nächsten Jahres etwa drei weitere Schritte einpreisen. Die Divergenz vergrößert sich vor dem Hintergrund der Eskalation im Nahen Osten: Der Ölpreis bewegt sich wieder in Richtung 100 US-Dollar, und die Gaspreise steigen auf das Niveau von 2023. Ein Schritt um 25 Basispunkte erscheint notwendig, wird aber voraussichtlich keine nachhaltige Euro-Rally auslösen.

ANZ weist darauf hin, dass der Anstieg von EUR/USD über 1,17 im August nicht nur die Schwäche des Dollars widerspiegelte, sondern auch die Resilienz der Eurozone. Das BIP wuchs im zweiten Quartal um 0,4 %, und die Einkaufsmanagerindizes steigen seit Monaten. Die geldpolitische Sitzung am 9.–10. September wird die ersten Projektionen der EZB seit Juni bringen; sie dürften die Widerstandsfähigkeit bestätigen und den Euro stützen. Das Risiko besteht darin, dass sich die Notenbank auf die energiegetriebene Disinflation konzentriert und ihre Prognosen nach unten anpasst, was die Rally des Instruments begrenzen würde.

So oder so spielen Dollar und Euro im September dasselbe Spiel nach unterschiedlichen Regeln – jede Seite wartet darauf, dass die andere Zentralbank zuerst nachgibt. Wer wird es früher tun?

Technisch gesehen wäre auf dem Tageschart ein Bruch unter 1,1610 im EUR/USD ein Verkaufssignal. Umgekehrt würde ein Anstieg über 1,1635 ein Kaufsignal darstellen.

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